EUfont.eu

Schlechte Digitalisierung

Damit mit einer Schulschrift am Computer Unterrichtsmittel erstellt werden können, muss man sie digitalisieren: Es entsteht ein „Computer-Zeichensatz“. Viele Schulschriften wurden leider schlecht digitalisiert. 

 

1. Mangelhafte Schriftzeichen
Wenn ein Schriftzeichen mangelhaft digitalisiert wurde, kann es unansehnlich werden, wenn es vergrößert wird. Es kommt zu Problemen bei der Bildschirmdarstellung, beim Druck und bei der Konvertierung in andere Formate (z. B. Webfonts ).

Ein Beispiel für mangelhafte Digitalisierung ist der Computer-Zeichensatz der österreichischen „Schulschrift 1995“:

In der folgenden Abbildung eines Details eines Schriftzeichens ist zu erkennen, dass durch die schlechte Digitalisierung an manchen Stellen statt harmonischer Kurven gerade Linien mit Ecken dargestellt werden und dass z.B. im rechten „Ast“ die Strichstärke variiert. Die Schrift ist dadurch unangenehm zu lesen: 

Schlechte Digitalisierung
Digitalisierung der „Schulschrift 1995“: Unsauberes und unharmonisches Schriftbild

 

2. Fehlende Buchstabenkombinationen
In verbundenen Schriften können nicht einfach beliebige Schriftzeichen ohne Anpassungen nebeneinander gestellt werden; unterschiedliche Buchstabenkombinationen erfordern unterschiedliche „Auf- und Abstriche“.

Gut digitalisierte Schriften berücksichtigen dieses Problem. Sie besitzen nicht nur jeweils eine Variante eines Schriftzeichens, sondern gleich mehrere Varianten des Schriftzeichens mit unterschiedlichen Auf- und Abstrichen. Die passenden Varianten werden je nach Buchstabenkombination automatisch ausgewählt, sodass es immer zu harmonischen Übergängen kommt.

Der Computer-Zeichensatz der österreichischen „Schulschrift 1995“ berücksichtigt dieses Problem hingegen nicht. Es gibt von jedem Buchstaben nur eine einzige Variante. Aus diesem Grund fallen die Übergänge bei manchen Buchstabenkombinationen unharmonisch aus, z. B. erscheint in der Verbindung zwischen dem t und dem f ein Knick, wo keiner hingehört:

Buchstabenkombination

Bei dieser Abbildung sind die – ungewollt – unterschiedlichen Strichstärken erkennbar, z. B. an dem Punkt, an dem das und das aufeinander treffen, oder bei der Delle im „Stamm“ des t. Außerdem sind deutlich die Ecken zu sehen, die durch die mangelhafte Digitalisierung entstehen (z. B. im Inneren der Schlaufe des f). Der Zeichensatz ist sowohl am Bildschirm als auch ausgedruckt nur unangenehm zu lesen.

Ein weiteres Beispiel für eine schlechte Digitalisierung ist die Schulschrift „Elementarz“ aus Polen:

Elementarz

Viel besser, aber noch nicht perfekt: „Elementarz Pro 2016“ von Bartek Novak:

Elementarz Pro
© myfont.net 

 

3. Fehlerhafte Abstände
Für eine gute Lesbarkeit muss bei unterschiedlichen Buchstabenkombinationen der Abstand zwischen den Buchstaben so angepasst werden, dass der Weißraum bei allen Buchstabenkombinationen immer harmonisch bleibt. Erscheinen die Weißräume nicht gleich groß, ermüdet das Auge beim Lesen schneller. Bei gut digitalisierten Schriften wird daher der Abstand aller wichtigen Buchstabenkombinationen genau definiert: Manche Zeichen stehen näher zusammen als andere, um durch den ausgeglichenen Weißraum zwischen den Buchstaben ein harmonisches Schriftbild zu erreichen.

Bei der Digitalisierung der österreichischen „Schuldruckschrift“ wurde diese Notwendigkeit nicht beachtet. Der Abstand zwischen dem T und dem o ist zu groß und es entsteht eine störende Lücke zwischen diesen beiden Buchstaben:

Abstand Schuldruckschrift 95
„Schuldruckschrift“: Zu großer Abstand zwischen T und o

Abstand Verdana
„Verdana“: Harmonischer Abstand zwischen T und o

Bei der Schrift „Verdana“ hingegen rücken das T und das o näher zusammen. Das schlüpft sozusagen unter den Querbalken des T. Das ergibt ausgeglichene Weißräume und somit ein harmonisches Schriftbild. Bei gut digitalisierten Schriften stehen nicht einfach alle Schriftzeichen im gleichen Abstand nebeneinander, sondern es ist für jede wichtige Buchstabenkombination genau definiert, wie groß der Abstand zwischen diesen beiden Schriftzeichen ist.